Quantifizierung der Welt

Nachdem wir die Vorstellung von Objekten entwickelt haben, die voneinander abgegrenzt sind und die sich bewegen können, haben wir die Vorstellung von Raum und Zeit. Und wir haben die Möglichkeit unsere Objekte räumlich und zeitlich zu klassifizieren.

Wir können Objekte zählen und wir können die Abstände zweier Objekte mit dem Abstand zweier anderer Objekte vergleichen. Wir können den Abstand von zwei Objekten bzw. die Länge eines Objektes als Maß für die Abstände anderer Objekte verwenden und haben somit ein Maß für den Raum. Damit haben wir eine Möglichkeit, den Raum, den wir durch unsere Objekte geschaffen haben, zu vermessen und das Schätzen von Längen und Entfernungen durch Messung zu ersetzen.

Genauso können wir die Bewegung eines bestimmten Objektes, das wir als Vergleichsobjekt für andere Bewegungen betrachten, z.B. die Sonne oder den Mond, messen, indem wir den Weg messen, den dieses Objekt zurückgelegt hat. Wir tun dies, indem wir unseren Maßstab für die Abstandsmessung verwenden. Wir messen die Länge des zurückgelegten Weges, d.h. den Abstand zwischen Anfang und Ende der Bewegung. Damit haben wir ein Maß für die Zeit. Wir nennen dieses Vergleichsobjekt Uhr und es spielt keine Rolle, ob es sich um die Bewegung der Sonne oder die Bewegung eines Pendels handelt. Immer ist es der zurückgelegte Weg meiner Uhr, der das Maß für die Zeit ist.

Und schließlich können wir auch die Geschwindigkeit von Bewegungen messen, indem wir den zurückgelegten Weg unseres Objektes mit dem zurückgelegten Weg unseres Vergleichsobjektes, das uns als Uhr dient, vergleichen. Je größer der Weg, den mein zu messendes Objekt zurückgelegt hat, im Vergleich zu meiner Uhr, desto schneller war mein Objekt.

Bei der Messung der Geschwindigkeit und der Zeit fällt auf, dass wir diese indirekt gemessen haben. Denn wenn wir die Zeit messen, dann messen wir den zurückgelegten Weg der Sonne, der Sterne, eines Pendels oder was sonst unsere Uhr ist. Wir messen also den Raum und schließen von diesem Messergebnis auf die Zeit. Die Zeit wird folglich nicht direkt gemessen, sondern durch die Raummessung wird auf die Zeit geschlossen, denn unser Messergebnis bei der Zeitmessung ist ein Abstand. Dasselbe gilt für die Messung der Geschwindigkeit, denn auch bei der Messung der Geschwindigkeit, ist das Messergebnis ein Abstand, nämlich der Abstand, den mein Objekt zurückgelegt hat, verglichen mit dem Abstand, den meine Uhr zurückgelegt hat.

Neben der Bewegung von Objekten, stellen wir fest, dass es auch Wahrnehmungen gibt, die sich auf andere Art und Weise verändern. So empfinden wir ein Feuer umso wärmer, je näher wir diesem Feuer kommen, wir empfinden manche Objekte als hart und andere als weich, manche Objekte sind elastisch während andere leicht brechen. Auch für Änderungen dieser Qualitäten können wir versuchen, ein Maß zu finden, das diese Änderungen klassifiziert. Genau wie bei der Zeitmessung, suchen wir uns Objekte, die sich möglichst gleichförmig verändern. Wenn wir die Wärme messen wollen, dann suchen wir uns ein Objekt, das sich bei Änderung der Wärme gleichmäßig verändert. Wir stellen fest, dass sich manche Objekte ausdehnen, wenn es wärmer wird und wieder zusammenziehen, wenn es kälter wird. Diese Änderung der Ausdehnung können wir dann als Maß für unser Wärmeempfinden, auch Temperatur genannt, benutzen. So funktioniert ein klassisches Thermometer, indem die Ausdehnung des Quecksilbers als Maß für die Temperatur genommen wird. Auch hier ist das Messergebnis wieder ein Abstand, nämlich die Länge des Quecksilberfadens in einem Glasröhrchen.

Zur Kraftmessung nehme ich Objekte, deren Elastizität ein Maß für die Kraft ist.

Wir können diese Überlegungen auf alle Qualitäten, die wir wahrnehmen anwenden und immer wird es so sein, dass wir ein Objekt suchen, dessen räumliche Änderung ein Maß für die Änderung der Qualität ist. Und immer ist das Messergebnis ein räumlicher Abstand.

Wir können keine Zeit und keine Geschwindigkeit direkt messen, genau so wenig, wie eine Temperatur, einen Luftdruck usw.

Alle diese Änderungen der Wahrnehmungen lassen sich nur dadurch quantifizieren, dass wir Möglichkeiten finden, diese Wahrnehmungen in räumliche Abstände oder Anzahl von Objekten zu überführen.

Messen heißt also entweder zählen; Objekte, Ereignisse, alles was man zählen kann. Oder man stellt eine Abstandsänderung fest und vergleicht sie mit der Länge von einem Objekt, das wir als Einheitsmaß festgelegt haben. Messergebnisse sind also immer eine ganze Zahl oder ein Abstand.

Damit haben wir eine entscheidende Erkenntnis gewonnen. Das Ergebnis einer jeden Messung, die jemals in irgendeiner Wissenschaft vorgenommen wurde, ist ein räumlicher Abstand oder eine Anzahl von Objekten.

Nachdem wir erfolgreich einige Qualitäten – wie zum Beispiel Wärme – objektiviert und quantifiziert haben, liegt es nahe, dieses Verfahren auf alle Qualitäten, die wir wahrnehmen auszuweiten. Dies gelingt mit unterschiedlichem Erfolg. Liebe, Hass oder Freude sind mit dieser Methode nicht zu quantifizieren. Es gibt keine Objekte, die Änderung von Liebe oder Hass in Änderung von räumlichen Abständen verwandeln.

Es ist daher naheliegend, die Qualitäten der Welt in zwei Klassen einzuteilen. Diejenigen Qualitäten, deren Änderungen sich in die räumlichen Abstände von Objekten umwandeln lassen, nennen wir objektiv und diejenigen Qualitäten, bei denen uns das nicht gelingt, nennen wir subjektiv.

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