Was sind kleine Ursachen und große Wirkungen?

Viele kennen den sogenannten Schmetterlingseffekt, über den ich bereits einen Beitrag verfasst habe.

In der Regel wird der Schmetterlingseffekt so beschrieben, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings einen Wirbelsturm verursacht. Dass also eine kleine Ursache eine große Wirkung erzeugt.

In diesem Beitrag möchte ich etwas genauer auf die Begriffe kleine Ursache und große Wirkung eingehen. Was versteht man denn unter einer kleinen Ursache und was unterscheidet eine kleine Ursache von einer großen Ursache? Und was ist der Unterschied zwischen einer großen Wirkung und einer kleinen Wirkung?

Auf den ersten Blick leuchtet es ein, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings eine kleine Ursache ist und dass man einen Wirbelsturm wohl zurecht als große Wirkung bezeichnen kann.

Aber so einleuchtend und plausibel sich das anhört, ist es dennoch falsch.

Warum?

Sehen wir uns die Begriffe klein und groß mal etwas genauer an.

Klein und groß sind keine entweder-oder-Begriffe. Etwas ist nicht entweder groß oder klein.

Wir kennen große und kleine Menschen, große und kleine Häuser, große und kleine Schmerzen usw.

All diesen Eigenschaften groß oder klein ist gemeinsam, dass wir ein Maß für sie haben, dass wir sie messen können. Und wir haben eine Skala die uns angibt wann etwas groß oder klein ist.

Einen Menschen, der 1,50 Meter groß ist würden wir eher als klein und einen 2 Meter großen Menschen als eher groß bezeichnen. Ein Haus mit 2 Zimmern eher klein und ein Haus mit 12 Zimmern eher groß. Und jeder kennt die Frage: „Auf einer Skala von 1 bis 10, wie groß ist der Schmerz“.

Und wie ist es nun mit Ursache und Wirkung?

Für Ursachen und Wirkungen gibt es kein Maß, keine Möglichkeit sie zu messen.

Das liegt daran, dass Ursachen und Wirkungen abstrakte Begriffe sind, denen man kein konkretes Objekt oder einen konkreten Zustand zuordnen kann. Sie können nicht klein oder groß sein. Es gibt sie oder es gibt sie nicht.

Aber warum leuchtet es dann sofort ein, wenn man beim Flügelschlag des Schmetterlings von einer kleinen Ursache und beim Wirbelsturm von einer großen Wirkung spricht?

Der Grund liegt darin, dass es im Schmetterlingseffekt der Chaostheorie gar nicht um Ursache und Wirkung geht sondern um kleine und große Unterschiede. 

Wenn wir 2 Computersimulationen der ganzen Welt hätten, die sich lediglich durch den Flügelschlag eines einzigen Schmetterlings unterscheiden, dann wäre das wahrlich ein kleiner Unterschied. Wenn nach kurzer Zeit in einer der beiden Simulationen eine Wirbelsturm aufkommen würde und in der anderen Simulation schönes Wetter wäre, dann wäre das ein großer Unterschied. Der Schmetterling ist nur ein Beispiel für einen kleinen Unterschied und der Wirbelsturm für einen großen Unterschied

Der Schmetterlingseffekt ist also nur wieder ein weiteres Beispiel dafür, dass jemand nicht verstanden hat, worum es geht. Daraufhin ein falsches Zitat in die Welt setzt, das anschließend von allen übernommen wird.

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